Publikationen [Studien]

«Die Zukunft der Altersvorsorge» (2003)

Steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten führen unaufhaltsam zur Überalterung der Weltbevölkerung. Dr. Martin Wechsler zu den Auswirkungen auf die Altersvorsorge
Die gute Nachricht: Wir leben immer länger. Die Schlechte: Immer weniger Nachkommen sichern unsere Altersversorgung. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt weltweit. Nicht nur die Industriestaaten, sondern auch die meisten Schwellen- und Entwicklungsländer sind von dieser Entwicklung betroffen. Transparent wird dies durch den Altersmedian, der die Bevölkerung in zwei gleich grosse Gruppen – die jüngere und die ältere Hälfte – teilt. 50 % der gesamten Weltbevölkerung waren im Jahr 1950 jünger als 23.6 Jahre. Im Jahr 2000 verlief der Altersmedian bei 26.5 Jahren, 2050 wird er bei 36.2 Jahren liegen. Diese drastische Beschleunigung des globalen Alterungsprozess verläuft nicht in allen Regionen gleichmässig: Die Industrienationen sind davon weitaus stärker betroffen als aufstrebende Länder resp. Entwicklungsländer.

Quelle: United Nations Population Division: World Population Prospects, Population Database, 2001

Folgen für die staatliche Altersvorsorge

In den meisten Ländern basiert die staatliche Altersvorsorge auf dem Umlageverfahren. Die erwerbstätige Bevölkerung finanziert die Renten der Pensionierten mittels Transferleistung. Die Überalterung der Bevölkerung verschlechtert dieses Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern drastisch. Der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung wird sich weltweit bis 2050 mehr als verdoppeln. Die grösste Überalterung weist Japan auf, gefolgt von Europa, während der Prozess in den USA durch die starke Zuwanderung langsamer fortschreitet.

Quelle: United Nations Population Division: World Population Prospects, Population Database, 2001

Die dadurch entstehenden Finanzierungsprobleme der umlagefinanzierten Altersvorsorge können nur durch grosse Beitragserhöhungen, starke Leistungsreduktionen oder massive Anhebung des Pensionierungsalters gelöst werden. Sonst steigen die Defizite der Sozialversicherungen und damit die Staatsverschuldung dramatisch. Gemäss einer Berechnung der OECD würde die Staatsverschuldung bis ins Jahr 2030 in Japan 339 % des Bruttoinlandproduktes erreichen, in Deutschland 247 %, in Italien 241 %, in Frankreich 193 %, in Grossbritannien 144 % und in den USA 115 %. Zum Vergleich: Heute beträgt die höchste erlaubte Verschuldungsrate für die Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion 60 % des Bruttoinlandproduktes. Diese Zahlen verdeutlichen die immense potentielle Belastung der umlagefinanzierten Altersvorsorge-Systeme in der Zukunft. Denn die Sicherheit demographischer Prognosen ist unbestreitbar, sind doch die Rentner des Jahres 2030 heute bereits geboren.

Betriebliche Vorsorge als Alternative?

Zur Ergänzung der staatlichen Vorsorge haben viele Firmen für ihr Personal – freiwillig oder obligatorisch – Pensionskassen (Pension Funds) eingerichtet. Diese basieren auf dem Kapitaldeckungsverfahren. Hier bilden Beiträge und daraus erwirtschaftete Erträge die spätere Altersleistung. In vielen Ländern ist die betriebliche Altersvorsorge längst etabliert. Wegen der künftigen Finanzierungsprobleme bei der staatlichen Vorsorge, sind etliche Länder dabei, betriebliche Pensionskassen aufzubauen und mit Steueranreizen zu fördern. Sechs Nationen verfügen bereits über einen hohen Kapitalstock der Pensionskassen. Der – absolut gesehen – grösste Betrag findet sich in den USA, während die Schweiz – in Relation zum Bruttoinlandprodukt – die höchste Kapitaldeckung aufweist. Der Ausbau der Pensionskassen und die gegenwärtige demographische Struktur generieren einen beträchtlichen Cashflow an Pensionskassengeldern, welcher die Aktienmärkte stimuliert.

Quelle: InterSec Research Corp.

Die Baby-Boomer (Jahrgang 1946 – 1968) werden in den kommenden Jahren zu Rentner-Boomern. Ab dem Jahr 2010 setzt in den Industrieländern die grosse Pensionierungswelle ein, die bis etwa 2030 dauert. Damit steigt der Liquiditätsbedarf der Pensionskassen für die Rentenzahlungen. Der Cashflow wird negativ, die Pensionskassen müssen ab dem Jahr 2025 desinvestieren und somit weltweit Aktien verkaufen. Es ist absehbar, dass dann auch die Aktienkurse sinken, dadurch weniger Erträge auf dem Alterskapital erwirtschaftet werden können und somit die Renten tiefer ausfallen. Dies kann auch nicht durch eine Nettokapitalbildung der Pensionskassen der heutigen Entwicklungsländer kompensiert werden, da deren wirtschaftliche Potenz nicht stark genug ist. Zusätzlich müssen bei höherer Lebenserwartung die Renten länger ausbezahlt werden. Bei gleichem Kapital kann dies nur bedeuten, dass daraus tiefere Renten resultieren. Pro Jahr beträgt der Verlust etwa 0.5 %, d. h. die Rentner im Jahr 2030 müssen gegenüber den heutigen Rentnern mit einer um 15 % reduzierten Altersrente aus den Pensionskassen rechnen. Ein höheres Pensionierungsalter kann diese Entwicklungen kompensieren.

Privates Sparen – je früher desto besser

Durch privates Sparen kann man den voraussichtlichen Rentenverlust in den staatlichen Sozialversicherungen und bei den Pensionskassen ausgleichen. Auf welche Punkte sollte man achten?

  • Je früher man mit dem privaten Sparen beginnt, desto höher sind die Erträge im Alter.
  • Das Kapital sollte über die verschiedenen Anlagekategorien Aktien, Obligationen, Versicherungsanlagen und Immobilien diversifiziert werden. Zusätzliche Sicherheit bringt eine weitere Aufteilung innerhalb dieser Kategorien. Nach dem Motto: Leg' nicht alle Eier in einen Korb.
  • Attraktiv ist eine internationale Diversifikation der Anlagen und Investitionen in Wachstumsmärkte. Hier profitiert man insbesondere von der unterschiedlichen demographischen Struktur der einzelnen Volkswirtschaften.
  • Mit steigendem Alter sollte die Aktienquote reduziert werden, sodass der Aktienanteil am Gesamtvermögen 100 abzüglich dem aktuellen Alter beträgt. Eine 60-jährige Person sollte nicht mehr als 40 % Aktienanteil halten. Dies, weil Aktien Langfristanlagen sind und im Alter eine Liquidation oft zu einem ungünstigen Zeitpunkt erfolgen muss.
  • Ab dem Jahr 2020 sollte man das generelle Aktienengagement reduzieren, weil dann die Pensionskassen voraussichtlich über einen negativen Cashflow verfügen und entsparen.
  • Das Alterskapital soll so dimensioniert und eingesetzt werden, dass der gewünschte Lebensstandard bis zum 80. Lebensjahr gehalten werden kann. Darüber hinaus empfehlenswert sind Versicherungsprodukte, welche das sogenannte Langleberisiko abdecken, d. h. ab Alter 80 garantiert lebenslänglich ausbezahlt werden.
«Die Zukunft der Altersvorsorge» (2003)